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Jetzt liegt sie wieder vor uns, die fünfte Jahreszeit, Fasching. Und dann, „am Aschermittwoch, ist alles vorbei“. Falsch - da fängt sie an, die Passionszeit. Die liturgische Farbe dieser Zeit ist violett. Und die weist darauf hin, dass die Passionszeit zugleich Fastenzeit ist. Oberflächlich betrachtet könnte man sagen: das ist folgerichtig: nach Fasching, Ausgelassenheit und Fröhlichkeit, kommt die Zeit der Trauer und des Verzichts. Aschermittwoch: Asche aufs Haupt, in Sack und Asche gehen. Das hat etwas düsteres, unbeliebtes. Und hier möchte ich einhaken. Jesus sagt nachdrücklich: „Wenn ihr fastet, dann sollt ihr es nicht tun wie die Heuchler, die dabei ein finsteres Gesicht machen, damit man ihrem trübseligen Aussehen schon ansieht, dass sie fasten. Wenn du fastest, dann salbe dein Haar und wasche dein Gesicht; mach dich schön, sonst ist dein Fasten Heuchelei und den Lohn, den du für dieses Fasten erwarten kannst - die Bewunderung der Leute - den hast du bekommen.“
Was Jesus meint: es geht beim Fasten nicht um Selbstquälerei, sondern um Reinigung. Es geht nicht um Zerknirschung, sondern um Besinnung. Es geht nicht um verordnete Trauer, sondern um eigene Umkehr. Es geht nicht um Äußerlichkeiten, sondern um unser Innerstes, um das, was in uns passiert und was nur Gott sehen kann.
Und: durch das Fasten können wir unseren Teil dazutun, Gott besser zu erkennen und dann in seinem Licht auch uns selbst klarer zu sehen. Und zu dieser Aussicht, Gott und uns selbst ein Stück näher zu kommen, gehört kein trauriges, sondern ein offenes Gesicht. Weil Jesus dieses Ziel des Fastens im Auge hat, deshalb rät er: „Wenn du fastest, dann salbe dein Haar und wasche dein Gesicht.“ So eigenartig es klingen mag: auch Schönheit hat etwas mit der Asche von Aschermittwoch zu tun. Denn Asche ist nicht nur Zeichen der Trauer, sondern sie war zu früheren Zeiten immer auch ein Reinigungsmittel. Und genau darum geht es in der Fastenzeit: dass wir uns frei machen und reinigen von dem, was uns pappsatt macht, uns den Mund und die Gehirnwindungen verstopft und uns von Gott und von uns selbst fernhält. Dieses Fasten ist es, zu dem Jesus uns rät.
Bleibt die Frage, wie dieses Fasten heute konkret aussehen kann. Man könnte sich für die sieben Wochen vor Ostern vornehmen: für diese Zeit verzichte ich auf bestimmte Dinge, z.B. auf Schokolade oder Gummibärchen, auf das abendliche Bier oder den Schoppen Wein, auf Computerspiele oder die ständige Beschallung durch den Walkman.
Allerdings gehören dazu drei Grundentscheidungen. Erstens: ich faste nur, wenn ich es selber will. Die eigene Haltung, das eigene „ich will!“ ist der Schlüssel dafür, dass das Fasten tatsächlich zu einer inneren Angelegenheit wird. Zweitens: welche Form des Fastens die richtige ist, kann nur jeder für sich entscheiden. Einfach weil jeder selbst am besten weiß, was er satt hat, auf welche Weise er sich dicht macht, zustopft. Drittens: wenn ich mich für das Fasten entscheide, dann tue ich das mit einem fröhlichen Gesicht. Damit zeigt man, was man tut: man gönnt sich etwas Gutes; man reinigt sich und öffnet sich für Gottes Nähe und für sich selbst. Man gönnt sich Gott.
Fasten - eine tolle Sache. Machen Sie mit?! Bärbel Wieland
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